
Als ich von draußen reinkam, ging das Licht im Flur nicht. Ich zog meine Sachen und die Schuhe aus, nahm die Leiter und steckte die Birne wieder in die Fassung. Dann ging es. Und schon ging sie wieder aus. Im Flur war es dunkel. Ich stand mit der Leiter im Dunklen. Kurz überlegte ich, die Leiter mit ins Zimmer zu nehmen, in der Mitte des Raums aufzustellen und oben auf ihr zu sitzen, bis etwas anderes ausfallen würde. Einfach nur dort sitzend, darauf wartend, dass etwas Ungeplantes passieren könnte. Ich fühlte mich bereit. Nur mein Hintern würde mir allmählich weh tun. Rauchen konnte ich auch gut dort oben. Ich stand mitten im Raum und ärgerte mich über die Flurlampe. Da konnte nur Bier helfen. Ich ging und nahm mir eins aus dem Kühlschrank. Die Zigarette tat gut, das Bier auch.
Das Telefon klingelte und schnitt einen Spalt in mein Ohr. Elisa. Ich saß auf dem Boden, den Rücken an der Kommode. Im Zimmer war das Licht warm. Im Flur war es dunkel. Sie fragte, wie es mir ging. Ich erzählte von der Lampe. Von der Leiter. Vom Bier. Sie schwieg eine Weile. Dann sagte sie, das sei nicht normal. Ich solle mich beim BIPP melden. Das BIPP. Ich wusste nicht, was das war. Ich wusste nur, was es hieß. Jetzt war es so weit. Ich war einer von denen. Einer, der es allein nicht schafft. Und wahrscheinlich mehr Medikamente. Ich legte auf und trank noch zwei Bier. Eins für sie. Eins für das BIPP.
Am nächsten Morgen saß ich in meinem Bett. Das Handy lag auf der Kommode. Ich rauchte. Im Flur ging das Licht nicht. Wenn ich den Weg aus der Küche zurückfinden würde, war der halbe Tag schon vorbei. So hoffte ich. Ich googelte BIPP. Bipp Energietechnik. Bremer Institut für Pädagogik und Psychologie. Ein Treffer bei Spotify. Bipp-Analytics. Da stand es dann: Berliner Institut für Psychotherapie und Psychoanalyse. Die Nummer stand im Impressum. Wollte gesucht werden. Was würde passieren? Eine undurchschaubare monatelange Suche nach Ärzten? Auf dem Weg aus der Küche hatte ich Kaffee verschüttet. Sollte die Dunkelheit im Flur bleiben, sollte auch der Kaffee auf dem Fußboden bleiben. Auch wenn das eine zu wenig und das andere zu viel war. Während mich der Kaffee nur noch nervöser machte, nahm ich das Telefon und rief an. Zwei Minuten später hatte ich einen Termin. Am 10. Dezember 2010. In zwei Monaten. Zur Erleichterung trank ich noch einen Kaffee.
Nicht heute. Nicht morgen. Nicht bald. Demnächst.
Bier und Zigaretten. Im Flur ging das Licht nicht.
Draußen wurde es immer früher dunkel. Drinnen war es das schon. Im Flur ging das Licht nicht.
Noch einmal mit Elisa telefoniert. Im Flur ging das Licht nicht.
Der Kaffee auf den Dielen trocknete zu einem Fleck. Im Flur ging das Licht nicht.
Die Leiter lehnte zugeklappt an der Wand. Im Flur ging das Licht nicht.
Manchmal weinte ich. Nicht laut. Die Nächte waren nicht mehr laut. Im Flur ging das Licht nicht.
Am 10. Dezember zog ich meine Sachen und die Schuhe an. Im Flur ging das Licht nicht.