Sporadische Fehlzeiten

Warum ich jetzt darüber spreche

Dieser Beitrag ist der Auftakt einer persönlichen Blogreihe über das Leben mit einer bipolaren Störung. Ich schreibe über das, was man nicht sieht – über Gedanken, Muster, Zweifel und kleine Siege. Vielleicht findest du dich in Teilen wieder. Vielleicht lernst du etwas Neues. Vielleicht ist es einfach nur ein Spiegel – für dich, wie für mich.


Lange habe ich darüber nachgedacht, ob ich diesen Schritt gehen soll.

Ob es mir hilft – oder vielleicht sogar jemand anderem. Und ja, ich bin sicher: Es kann.
In erster Linie ist dieser Blog für mich: ein Spiegel meiner Gedanken und Emotionen, ein Ort der Reflexion. Aber vielleicht liest es jemand, der sich verstanden fühlt. Oder jemand, der eine neue Perspektive gewinnt.

Ich weiß, dass ich davon profitieren werde. Vermutlich.


Es kostet Überwindung.

Eine seelische Erkrankung ist etwas Intimes. Sie rüttelt an der eigenen Identität, an Glaubenssätzen, am Selbstbild – und besonders an den Beziehungen, die man führt oder führen möchte.

Anfangs dachte ich, ich könnte offen damit umgehen – privat, familiär, beruflich.
Schließlich ist es doch nur eine Erkrankung, oder?

Eine Stoffwechselstörung im Gehirn.
Ab und an bin ich weniger leistungsfähig als andere. Das lässt sich doch kommunizieren.

Dachte ich.
Ich lag falsch.


Vor allem in Bezug auf meine eigene innere Bewältigung.

Eine bipolare Störung ist viel komplexer, als ich zunächst dachte.
Ihr Einfluss ist tiefgreifender, ihre Handhabung schwieriger – je nachdem, wie stark sie einen trifft. Es ist nicht nur ein Auf und Ab der Stimmung. Es ist ein ständiges Navigieren zwischen Extremen. Zwischen zu viel und zu wenig. Zwischen Aktion und Erschöpfung. Zwischen Nähe und Rückzug.


Ich möchte aufklären.

Ich möchte berichten. Den Austausch suchen.
Ich will, dass sich Gedanken und Köpfe öffnen. Dass psychische Erkrankungen nicht länger unter dem Etikett „Privatsache“ verschwinden müssen. Vielleicht bleibt jemand einen Moment sitzen – und sieht die Projektion: Gedanken als Lichtspiel, Gefühle wie Szenen in sortierten Farben. Nicht perfekt belichtet. Nicht immer scharf. Aber echt.


Warum also dieser Titel: „Sporadische Fehlzeiten“?

Sporadische Fehlzeiten“ – der Begriff stammt aus dem Film Von Löwen und Lämmern. Ein politisches Drama mit Streep, Cruise, Redford – großes Personal, kleiner Satz. Gemeint ist das unerlaubte Fernbleiben vom Dienst.

Mich hat dieser Ausdruck nie losgelassen. Nicht wegen seiner militärischen Schärfe – sondern wegen seiner stillen Treffgenauigkeit.

Fürs plötzliche Aussetzen. Für das Leuchten, das manchmal fehlt. Für diese Lücke auf der inneren Leinwand, wenn der Projektor zwar läuft, aber nichts erscheint.

Nicht aus Bequemlichkeit. Sondern aus Überforderung. Aus Krankheit.


Seit 15 Jahren lebe ich mit der Diagnose. Mit der Erkrankung noch länger.

Es ist an der Zeit, meine Erfahrungen nach draußen zu tragen.
Nicht als Ratgeber. Nicht als fertige Geschichte. Sondern als ehrlicher Blick nach innen.

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