aufmachen

Ich war ohnehin wach. Auf dem Tisch ein halbes Bier, daneben die Uhrzeit, die man niemandem erzählt.

Dann donnerte es in meinem Kopf. Der Körper war schneller als ich, er war schon zusammengefahren, als ich noch überlegte, ob das von draußen kam.

Ich ging in die Knie, um durch den Spion zu sehen. Zwei Männer in Zivil. Aufmachen, Polizei.

Drei Minuten stand ich so. Unter der Tür zog Luft herein, meine Füße wurden kalt, ich atmete flach, damit die Diele nicht knarrt. In dieser Haltung, halb gebückt, in Unterhose, mit einem Auge am Glas, war ich zum ersten Mal seit Wochen vollkommen ruhig. Endlich passierte draußen etwas, das so laut war wie ich.

Ich kannte ihn durch die Wand. Wann er kam, wann er ging. Jeden Tag um sieben dasselbe orientalische Lied, immer bis zur selben Stelle, dann ein Klicken. Er duschte lange. Er telefonierte in einer Sprache, in der ich nur die Pausen verstand, und die Pausen waren die eines Mannes, der schlechte Nachrichten entgegennimmt. Zweimal im Hof gesehen: schwarzer, gezwirbelter Schnurrbart, Plastiktüte, freundliches Nicken.

Aus alldem hatte ich mir längst einen Menschen gebaut. Und in dieser Nacht baute ich ihn in vier Sekunden um. Der vermietet an Leute, die hier nicht sein dürfen, dachte ich, ohne irgendetwas zu wissen. Ich hatte einen Schuldigen, ein Motiv und ein Milieu, und ich hatte nichts als Geräusche.

Es geschah nichts. Es geschieht nie etwas. Ich ging zurück ins Bett und lag da mit dem Herz eines Menschen, der gerannt ist.

Am nächsten Tag war der Flur wie immer. Die Tür zu, kein Zettel, kein Siegel. Das Lied lief um sieben, bis zur selben Stelle, dann das Klicken.

Ich weiß bis heute nicht, was in dieser Nacht passiert ist. Ich weiß nur, dass ich der Einzige war, der wach genug war, sie mitzunehmen. So läuft das seit Jahren. Andere schlafen, ich sammle Beweise für Geschichten, die niemand behauptet hat.

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